Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, Präsidentin der BAGFW: Grußwort

- Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg
Liebe Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler, liebe freiwillig Engagierten!
Sehr geehrte Bundesfamilienministerin,
sehr geehrte Abgeordnete,
sehr geehrter Herr Dr. Seiters,
liebe Gäste,
im Namen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege begrüße ich Sie herzlich zur heutigen nationalen Auftaktveranstaltung des Europäischen Jahrs der Freiwilligentätigkeit 2011.
Ich bedanke mich sehr dass Sie, sehr verehrte Frau Bundesministerin, an der Veranstaltung teilnehmen und gleich zum Thema bürgerschaftliches Engagement sprechen werden. Im Namen der Bundesarbeitsgemeinschaft bedanke ich mich für die gute Kooperation mit dem Bundesfamilienministerium. Wir freuen uns sehr über das Vertrauen, das in die Freie Wohlfahrtspflege gesetzt wurde. Dies betrifft nicht allein den gemeinsamen Auftakt zum Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit; sondern vor allem, dass nun bereits zum dritten Mal die Geschäftsstelle eines Europäischen Jahrs an uns übertragen wurde.
Bereits hinsichtlich des Europäischen Jahrs der Chancengleichheit für alle im Jahr 2007 und dem darauffolgenden Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs können wir auf eine gemeinsame und gelungene Zusammenarbeit zurückschauen. Dies wollen wir auch im Jahr der Freiwilligentätigkeit fortführen, denn die Freie Wohlfahrtspflege und als deren Sprachrohr die Bundesarbeitsgemeinschaft ist eine wichtige Partnerin für die Politik in der Gestaltung von sozialgesellschaftlichem Engagement: Neben der Organisation sozialer Hilfen in Deutschland ist es ein selbstverständlicher Bestandteil der Arbeit der Wohlfahrtspflege, die Zivilgesellschaft und das Gemeinwesen mit zu prägen.
An dieser Stelle möchte ich ganz herzlich Herrn Dr. Seiters begrüßen. Herr Seiters, Sie verbinden mit Ihren Erfahrungen als Bundesminister und Ihrer Präsidentschaft des Deutschen Roten Kreuzes, dem federführenden Verband der BAGFW, Politik und Wohlfahrtspflege auf besondere Weise.
Freiwilligentätigkeit hat also in den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege eine besondere Bedeutung: Bereits über Generationen hinweg haben sich Menschen in den Strukturen der Wohlfahrtsverbände bürgerschaftlich für sozialpolitische Bedarfe und gegen Missstände engagiert. Bürgerschaftliches Engagement war und ist so ein innovativer Impuls und eine sozialpolitische Schubkraft für die Soziale Arbeit, die gesellschaftliche Entwicklung und damit auch für die Freie Wohlfahrtspflege.
Heute engagieren sich rund 2,5 - 3 Millionen Bürgerinnen und Bürger in den Organisationen, Einrichtungen und Projekten der Wohlfahrtsverbände, dazu gehören Freiwilligenagenturen und -Zentren, Mehrgenerationenhäuser, Stadtteilzentren, Aktionen für ein Bleiberecht für Flüchtlinge oder lokale Aktionen für Spielplätze und vieles mehr. Dabei ist das Engagement innerhalb der Wohlfahrtspflege vor allem durch vier Formen geprägt:
Neben dem immer üblicher werdenden punktuellen, zeitlich begrenzten Freiwilligenengagement in gemeinwohlorientierten Einrichtungen und Projekten, engagieren sich in der Freien Wohlfahrtspflege viele Menschen weiterhin im klassischen Ehrenamt, wie zum Bespiel in der Arbeit in den Verbandsgremien. Dabei identifizieren sie sich oft stark mit dem jeweiligen Verband und dessen historischen Wurzeln wie den Werten des Judentums, des Christentums, des Humanismus oder der solidarischen Tradition der Arbeiterbewegung. Neben Ehrenamt und Freiwilligenengagement spielt in der Wohlfahrtspflege auch die Selbsthilfe eine wichtige Rolle. Eine besondere Bedeutung haben zudem die zurzeit stark diskutierten Freiwilligendienste. Durch die spezifische Kombination aus praktischer Arbeit und begleitender Bildungsarbeit sind sie Bildungs- und Orientierungsjahr und gleichzeitig ein Lerndienst für die Bürgergesellschaft.
Wichtig ist uns, dass wir Bürgerschaftliches Engagement als etwas Eigenständiges begreifen und es von daher keine Konkurrenz zur hauptberuflichen Arbeit darstellt. Freiwilligkeit, Unabhängigkeit und Unentgeltlichkeit sind wichtige Prinzipien des Bürgerschaftlichen Engagements, so unterschiedlich auch die Motive der Menschen für ihr Engagement sein mögen.
,Bürgerschaftliches Engagement in der Freien Wohlfahrtspflege hat als Beitrag zur Verbesserung von Hilfe durchaus auch eine wirtschaftliche Bedeutung, das soll nicht verschwiegen werden. Es ist aber, das möchte ich betonen, kein „Sparmodell” als Ersatz für notwendige hauptamtliche bezahlte Arbeit, sondern eine Ergänzung sozialer, gemeinwohlorientierter Tätigkeit.
Lassen Sie uns nun den Blick auf die europäische Ebene werfen. Im Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit soll unter anderem das Vernetzen nationaler aber auch europaweiter Akteure im Vordergrund stehen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft ist hier bereits seit Jahren aktiv tätig. Wir sind Mitglied des Europäischen Komitee der Verbände von allgemeinem Interesses/ Comité Européen des Associations d'intérêt Général (kurz: CEDAG) und sind so bereits in europäischen Netzwerken eingebunden. Die BAGFW ist somit – wie auch die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege über ihre eigenen europäischen Netzwerkzugänge wie zum Beispiel Eurodiaconica, Solidar oder AGE - Teil der sogenannten EJF 2011 Allianz. Diese Allianz ist ein Zusammenschluss von über 30 europäischen Netzwerken und Dachverbänden, die eine Lobbykampagne für des Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit initiiert und es dadurch bereits im Jahr 2011 ermöglicht haben. Die Freie Wohlfahrtspflege in Deutschland ist in den Arbeitsgruppen der Allianz, die über das Jahr hinweg eine politische Agenda für Freiwilligentätigkeit in Europa entwickeln wollen beteiligt.
Darüber hinaus nehmen wir als Mitglied im Wirtschafts- und Sozialausschuss Einfluss auf die Europapolitik und haben auf diesem Weg den Beschluss des Europäischen Rates, das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit auszurufen, begleitet.
Liebe Gäste,
klar ist, dass die Freie Wohlfahrtspflege keinen Alleinvertretungsanspruch für das Thema Freiwilligentätigkeit hat. Sie alle stehen für verschiedene Organisationsformen und Bereiche, in denen sich Bürgerinnen und Bürger mit vielfältigen Aktivitäten engagieren. So ist – Ihnen sicher allen bekannt – der Sport das Feld, in dem sich die meisten Menschen engagieren. Soziales Engagement, das den Schwerpunkt der Freiwilligenarbeit in der Wohlfahrtspflege ausmacht, ist einer der großen Engagementbereiche. Der Umwelt- und Naturschutz sei als weiteres Beispiel genannt, in dem sich immer mehr Menschen einsetzen. Bei der den heutigen Tag abschließenden Podiumsdiskussion wird es darum gehen, die Erwartungen an das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit aus diesen verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Herr Grübel, Vorsitzender des Unterausschusses Bürgerschaftliches Engagement, den ich hiermit herzlich begrüßen möchte, wird dabei die Sicht der Legislative hineinbringen.
Auch auf die Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements durch Stiftungen und Unternehmen möchten wir heute einen Blick werfen: In vielen Fällen wird die Freiwilligentätigkeit vor Ort erst durch Ihren Beitrag ermöglicht. Einige beispielhafte Unternehmen werden wir bei der Preisverleihung der European Employee Awards kennenlernen. In Deutschland werden die Awards durch die Generali Deutschland Holding AG unterstützt. Herzlich willkommen heiße ich daher Herrn Schmallenbach als Vorstandsmitglied der Generali Holding AG. Über Stiftungen werden unter anderem von unserem Gast Herrn Dr. Eichert, Vorstand der Herbert-Quandt-Stiftung, erfahren. Wir freuen uns auf Ihren Beitrag.
Nicht zuletzt möchte ich auch auf den stetigen engagementpolitischen Einsatz und die wichtige Netzwerkarbeit des Bundesnetzwerks Bürgerschaftlichen Engagement verweisen. Meines Erachtens nach, hat das Bundesnetzwerk in den letzten Jahren sehr viel dazu beigetragen, dass Bürgerschaftliches Engagement als eigenständiges Politikfeld angesehen wird.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich bin mir sicher, dass uns der heutige Tag eine Fülle von Anregungen geben wird, wie wir gemeinsam das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit umsetzen und nutzen können. Ich wünsche Ihnen allen eine erfolgreichen Austausch und motivierende Gespräche.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Es gilt das gesprochene Wort.
Bitte wenden Sie sich hinsichtlich einer Weiterveröffentlichung des Grußwortes an die BAGFW.





